22. Deutscher Heilpraktikerkongress: “Naturheilkunde ist ohne die Tradition des Heilpraktikers verloren!”

Medizinanthropologin Dr. Noseck-Licul kritisiert Forderung der aktuellen Gesundheitspolitik nach Wirksamkeitsbeweisen und Studienbelegen für traditionelle Medizin

22. Deutscher Heilpraktikerkongress: "Naturheilkunde ist ohne die Tradition des Heilpraktikers verloren!"

Dachverband Deutscher Heilpraktikerverbände e.V. (DDH)

“Ohne die Heilpraktiker ist die Naturheilkunde undenkbar, ohne sie ist sie verloren!”, lautete das Plädoyer von Heinz Kropmanns, Präsident des Verband Deutscher Heilpraktiker e.V. (VDH) und Organisator des Deutschen Heilpraktikerkongresses. Rund 1.800 Heilpraktiker/innen und Heilpraktiker-Anwärter/innen aus dem gesamten süddeutschen Raum waren der Einladung des Dachverband Deutscher Heilpraktikerverbände e.V. (DDH) gefolgt und füllten das Karlsruher Messe- und Kongresszentrum (KMK). “Naturheilkunde – aktueller denn je” hieß das aktuelle Motto der Fachveranstaltung, die zum 22. Mal in Folge in der Badenmetropole stattfand.

Im Eröffnungsvortrag vertrat die Medizinanthropologin Dr. Michaela Noseck-Licul die These: “Traditionelles, naturheilkundliches Wissen ist wertvoll und bewährt sich, ist also wirksam!” Erfahrung zähle in der heutigen Schulmedizin weniger wegen ihrer rein wissenschaftlichen Betrachtungsweise, die unter der Bezeichnung “evidence-based medicine” propagiert werde. Gerade die Erfahrung in der traditionellen Medizin mache aber handlungsfähig, lasse Risiken abschätzen und befähige Therapeuten zur Behandlung. Die vom österreichischen Bundesministerium für Gesundheit geförderten Studien der Wissenschaftlerin und Leiterin des Wiener Dokumentationszentrum für traditionelle und komplementäre Heilmethoden (http://www.cam-tm.com) belegen: “Traditionelle Medizin zeichnet sich durch lange tradiertes und immer wieder aktualisiertes Erfahrungswissen aus. Erfahrungswissen ist praktisches Wissen. Beim reinen Faktenwissen werden dagegen die Sinne ausgeschaltet.” Das sei ein Nachteil der aktuellen Gesundheitspolitik mit ihrer allgegenwärtigen Forderung nach Wirksamkeitsbeweisen und Studienbelegen.

Im Mittelpunkt der zweitägigen Fachveranstaltung stand ein thematisch weitgefasstes Vortragsprogramm. Mehr als 30 Referenten aus dem gesamten Bundesgebiet präsentieren Diagnose- und Therapiemethoden und informieren über Neues oder Bewährtes alternativmedizinischer Heilmethoden oder -verfahren. Die Themenpalette reichte von der Schmerztherapie, über die Homöopathie, die Krankheiten des Mannes bis hin zur Bewältigung von Stress und Burnout. Auch die allgemeine Prävention als Domäne der Naturheilkunde steht auf dem Programm. Die begleitende Industrieausstellung mit rund 250 Ausstellern der biologisch-pharmazeutischen und medizinisch-technischen Unternehmen und Anbieter von naturheilkundlichen Produkten, Dienstleistungen und Geräten bildete die Plattform für einen regen Meinungsaustausch zwischen Herstellern und Anwendern.

Rund 32.000 Heilpraktiker, davon 23.000 Heilpraktikerinnen, sind nach aktuellem Stand (2010) des Statistischen Bundesamtes in Deutschland zugelassen. Das bedeutet mehr als eine Verdoppelung gegenüber dem Jahr 2001 (14.000/9.000, siehe https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Gesundheitspersonal/Tabellen/Berufe.html). Der Beruf des Heilpraktikers bleibt weiterhin eine Frauendomäne. Täglich suchen bundesweit geschätzte 60.000 Patienten eine Heilpraktikerpraxis auf; das sind rund 15 Millionen Behandlungen pro Jahr, die die Kostenträger jedes Jahr in Milliardenhöhe entlasten, weil heilpraktische Behandlungen in der Regel vom Patienten privat bezahlt werden müssen.

Die DDH ist eine Gemeinschaftsinitiative der fünf großen, bundesweiten Heilpraktiker-Berufs- und Fachverbände – Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH), Freie Heilpraktiker (FH), Freier Verband Deutscher Heilpraktiker (FVDH), Union Deutscher Heilpraktiker (UDH) und Verband Deutscher Heilpraktiker (VDH). Gemeinsam vertreten sie die überwiegende Mehrheit der Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker in allen Fragen der Berufs-, Medizinal- und Standespolitik. Die DDH mit den Einzelverbänden ist damit der Ansprechpartner für Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker, Politik, Medien und Versicherungen. Diese Kooperation der Verbände ist unerlässlich, um die Interessen der Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker in fachlichen, rechtlichen und berufsständischen Fragen gezielt und effektiv gegenüber politischen Institutionen, sowie in der Öffentlichkeit vertreten zu können.

Kontakt:
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