Die Schüler stehen auf gleicher Augenhöhe – Gemeinsames Lernen im inklusiven Deutschunterricht

Interview mit Gesamtschulrektorin Sule Ekemen und Inklusionsberater Benjamin Schmidt

(ddp direct) Die Schullandschaft in Deutschland ist in Bewegung: Im Unterricht finden sich zunehmend Lerngruppen mit unterschiedlichen Voraussetzungen bis hin zu Förderschülern. Die Mehrheit der Bevölkerung (über zwei Drittel) sieht Vorteile gemeinsamen Lernens von Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen in weiterführenden Schulen, wie eine repräsentative Infratest-dimap-Studie im Auftrag des VBE herausfand. Für den Unterricht mit Klassenstärken von bis zu 30 Schülern bedeutet dies: Integrieren, Inkludieren, Individualisieren. Wie Inklusion im Deutschunterricht funktionieren und gelingen kann, erklären Sule Ekemen, Gesamtschulrektorin und Sprachförderexpertin, sowie Benjamin Schmidt, Förderschullehrer und Inklusionsberater, im Interview:

Mit welchen Voraussetzungen kommen die Kinder in die 5. Jahrgangsstufe?

Sule Ekemen: Leider sind die Lesefähigkeiten der Schüler, wenn sie bei uns im fünften Jahrgang ankommen, sehr unterschiedlich. Viele Kinder haben gar nicht gelesen oder lesen nicht gern dementsprechend sind auch die Lesefähigkeiten entwickelt. Bei uns in der Schule haben wir bewusst in Klasse 5 eine zusätzliche Lesestunde eingerichtet. Hier bringt jedes Kind sein eigenes Buch mit oder sucht sich in der Schulbibliothek eines aus. Viele Kinder berichten uns, sie würden sonst gar nicht lesen, wenn es im Schulunterricht nicht die Lesestunde gäbe. Das klassische Lesen abends zu Hause oder das Vorlesen der Eltern, bevor die Kinder ins Bett gehen, wird leider immer seltener.

Wie gelingt das gemeinsame Lesen und Lernen im Deutschunterricht?

Benjamin Schmidt: Inklusion ist natürlich nicht nur an den Deutschunterricht gekoppelt. Im Fach Deutsch findet dann die Inklusion statt, wenn bestimmte Schüler nicht mehr exkludiert, nicht mehr ausgesondert werden geleitet von der Erkenntnis, dass diese Schüler zwar einen Förderbedarf haben, aber trotzdem an dem gleichen Deutschunterricht teilhaben wie die anderen Schüler auch. Das gelingt dann, wenn differenzierende Materialien eingesetzt werden. Dabei geht es nicht darum, einen Schulbuchtext herunterzubrechen oder gar die letzten zehn Sätze wegfallen zu lassen, damit der Text für Förderschüler einfacher wird und sie nur den halben Text lesen müssen. Indem man beispielweise für Schüler mit Förderbedarf einen Text mit einem anderen Inhalt wählt, ist Sorge dafür getragen, dass diese sich im Unterricht mit einbringen können. Sie sind dann nicht als diejenigen gebrandmarkt, die weniger gelesen haben. Sie haben einfach etwas anderes gelesen und können dadurch den Unterricht mit eigenen Informationen bereichern, einen anderen Input einbringen auf Augenhöhe mit allen Schülern in der Klasse. Die Verschiedenheit der Gruppe ist dann quasi in den Unterricht integriert, aufgenommen und inkludiert.

Welche Erfahrungen haben sie gemacht, mit Doppel-Klick und Klick zwei Lehrwerkskonzeptionen parallel im Unterricht einzusetzen?

Sule Ekemen: Es sind Lehrwerkskonzeptionen, die Deutschlehrkräfte dabei unterstützen, allen Schülern gerecht zu werden und Kinder individuell zu begleiten. Damit lassen sich Sprachförderung und Differenzierung auf dem Weg zum Mittleren Schulabschluss umsetzen. Passgenau zu Doppel-Klick gibt es eine Förderausgabe für Lernende mit erhöhtem Förderbedarf. Gleiche Themen und Kompetenzen auf jeweils angemessenem Anforderungsniveau ermöglichen einen unkomplizierten parallelen Einsatz.

Fühlen sich Schüler, die mit dem Förderlehrwerk arbeiten, nicht stigmatisiert?

Sule Ekemen: Nein, ganz im Gegenteil. Würden wir von allen Schülern verlangen, mit ein und demselben Sachtext aus dem Lehrwerk zu arbeiten, dann würde die Stigmatisierung im Regelunterricht jede Sekunde, jede Minute erfolgen. Kinder, die diesen Sachtext gar nicht verstehen, hätten nicht die Möglichkeit, sich im Unterricht einzubringen. Leistungs-starke Schüler hingegen würden die Aufgaben weitaus schneller und besser durchführen können. Der parallele Einsatz zweier Lehrwerkskonzeptionen hilft dabei, Kinder wirklich individuell zu fordern und zu fördern, damit diese die Möglichkeit haben, sich am Unterrichtsgeschehen aktiv zu beteiligen.

Wie haben Sie die Unterrichtspraxis mit diesen Konzepten erlebt?

Benjamin Schmidt: Die Vorbereitung eines solchen Unterrichts ist für Lehrkräfte mit Sicherheit herausfordernd und auch eine Übungssache. Aber der Unterrichtsalltag wird im Laufe der Entwicklung, je mehr die Schüler gewohnt sind, mit dem Materialpaket zu arbeiten, entspannter. Und mit den passgenauen Schülermaterialien gibt es dann die Synergieeffekte, sodass man als Lehrkraft den Mehrwert daraus ziehen kann. Man hat einen ruhigeren Unterricht!
Sule Ekemen: Zu Beginn steht schon die Frage: Wie schafft man das? Ich denke, es ist eine Übungssache. Ich habe die Unterrichtsreihe so durchgeführt und mein Gefühl ist, dass die Unterrichtssituation für die Klasse und für mich entspannter war: Die Kinder konnten selbstständiger arbeiten. Die Situation, dass Schüler vereinzelt mit einem Sachtext überfordert waren, sich melden und permanent Fragen beantwortet haben möchten wohingegen andere Kinder unruhig werden und in der Klasse herumlaufen, war nicht mehr gegeben. Das heißt: Jedes Kind konnte seine Aufgaben eigenständig und ohne zusätzliche Lehrer-Hilfe erarbeiten.

Wie erklären Sie Eltern das Unterrichtskonzept?

Sule Ekemen: Viele Eltern haben das Gefühl: Oh Gott, mein Kind darf nicht untergehen, wenn nach dem Übertritt das fünfte Schuljahr beginnt und plötzlich 30 Kinder in einer Klasse aus unterschiedlichen Grundschulen zusammenkommen. Für die Eltern ist es wichtig, dass ihr Kind wirklich als Individuum gesehen wird. Mit den jeweils passgenauen Arbeitsmaterialien von Doppel-Klick und Klick kommen wir im Deutschunterricht diesem Ziel ein Stück näher.

Weitere Informationen unter: <a href="http://www.cornelsen.de/doppel-klick“>http://www.cornelsen.de/doppel-klick und <a href="http://www.cornelsen.de/klick“>http://www.cornelsen.de/klick

Zur Person: Sule Ekemen ist Gesamtschulrektorin und Sprachförderexpertin. Die Cornelsen-Herausgeberin von Doppel-Klick unterrichtet an der Willi-Brandt-Gesamtschule in Köln. Benjamin Schmidt ist Förderschullehrer und Inklusionsberater. Der Cornelsen-Autor des Lehrwerks Klick unterrichtet an der Eduard Mörike Schule in Köln.

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=== Inklusion im Deutschunterricht – Interview mit Sule Ekemen und Benjamin Schmidt (Video) ===

Die Schullandschaft ist in Bewegung: Im Unterricht finden sich zunehmend Lerngruppen mit unterschiedlichen Voraussetzungen bis hin zu Förderschülern. Für den Unterricht mit Klassenstärken von bis zu 30 Schülern bedeutet dies: Integrieren, Inkludieren, Individualisieren. Wie Inklusion im Deutschunterricht funktionieren und gelingen kann, erklären Sule Ekemen sowie Benjamin Schmidt im Interview.

Zur Person: Sule Ekemen ist Gesamtschulrektorin und Sprachförderexpertin. Die Cornelsen-Herausgeberin von Doppel-Klick unterrichtet an der Willi-Brandt-Gesamtschule in Köln. Benjamin Schmidt ist Förderschullehrer und Inklusionsberater. Der Cornelsen-Autor des Lehrwerks Klick unterrichtet an der Eduard Mörike Schule in Köln.

Interviewfragen:
Mit welchen Voraussetzungen kommen die Kinder in die 5. Jahrgangsstufe?
Wie gelingt das gemeinsame Lesen und Lernen im Deutschunterricht?
Welche Erfahrungen haben sie gemacht, mit Doppel-Klick und Klick zwei Lehrwerkskonzeptionen parallel im Unterricht einzusetzen?
Fühlen sich Schüler, die mit dem Förderlehrwerk arbeiten, nicht stigmatisiert?
Wie haben Sie die Unterrichtspraxis mit diesen Konzepten erlebt?
Wie erklären Sie Eltern das Unterrichtskonzept?

Weitere Informationen unter: <a href="http://www.cornelsen.de/doppel-klick“>http://www.cornelsen.de/doppel-klick und <a href="http://www.cornelsen.de/klick“>http://www.cornelsen.de/klick

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